Erika Kokott

erika bilder 01

Zu meinen Bildern

Vermutlich ist es der starke weibliche Einfluss in meiner Familie, der mich schon sehr früh geprägt hat. Die Frauen meiner Familie waren stark, die Männer weniger und sie sind z.T. schon  früh verstorben bzw. im Krieg gefallen.

Vielleicht ist dies der Grund dafür, dass sich die weibliche Figur fast immer in meinen Bildern findet – mal abstrakter, mal gegenständlicher – aber niemals realistisch.

Mein Blick auf Frauen gilt vor allem der selbstbewussten, oft koketten Frau – der Frau, die sich meistens ruhig und gelassen in der gegenwärtigen Zeit bewegt und keine Hemmungen hat, sich mit modischen Accessoires zu umgeben, die Erwartungen an Rollenverhalten selbstbewusst aufnimmt und damit jongliert.

Vorlagen für meine Malerei nehme ich aus der Werbung und der sonstigen Bild- und Medienwelt, die ständig auf uns alle eindringt.
Es sind die ganz normalen Alltagsgegenstände, die mich anregen.
Aus zunächst ziellos gesammelten Fotos entstehen irgendwann Collagen, mit denen sich so wunderbar mit dem Absurden und Ironischen spielen lässt.

Meine durch langjähriges Zeichnen erworbenen Sicherheit in der Darstellung von Figur und Körper suche ich ständig durch freie, auf die Gestaltung des Bildformates bezogene Arbeitsschritte der Verzeichnung, Dehnung und Stauchung von Proportionen zu erweitern.
Dieses gestalterische Spiel verbinde ich mit Strenge und Gradlinigkeit in der Bildkomposition.  Auf die Reduzierungen antworte ich mit auftauchenden Ornamentstrukturen und kleinen Details, um Spannung, Lebendigkeit und das von mir angestrebte humorvolle Bildzwinkern zu erreichen.

Eine entscheidende Rolle spielt dabei selbstverständlich die Beziehung von
Figur und Grund, ihre Wechselwirkungen und Austauschpotentiale im Bild.
Manchmal ist es die Haltung der Figur oder ihre Größe, dass als Grund eine einzige Farbe oder ein durchgehendes Muster ausreicht, um die richtige Spannung zu erzeugen. Oft stellt sich die Lösung für die gewünschte Bildaussage erst nach mehreren Übermalungen ein.

Farbe ist mir sehr wichtig, aber noch wichtiger ist für mich die Linie als tragendes Element.

Ich bin skeptisch gegenüber absoluten Wahrheiten und Behauptungen und auch gegenüber Botschaften.
Das Ergebnis sind daher Bilder, die Mehrdeutigkeit zulassen.

Erika Kokott im Oktober 2009